Was sind nachhaltige ETFs?

Immer mehr Privatanleger:innen möchten ihr Geld nachhaltig investieren. Sie fühlen sich mit Renditen von klimaschädlichen Kohlekraftwerken, Ölkonzernen, kontroverse Anti-Personen-Minen, Streubomben, biologische oder mit Uran angereicherten Waffen, Alkohol oder Glücksspiel nicht wohl. Und sie möchten noch viel mehr: "In eine bessere Zukunft investieren". Eine Alternative hierfür sind sogenannte nachhaltige ETFs. Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit dein Geld tatsächlich in Unternehmen fließt, die möglichst sozial und ökologisch verantwortungsvoll handeln?

1. Was sind nachhaltige ETFs?

1. Was sind ETFs?

ETF steht für Exchange-Traded Fund. Ein ETF enthält Aktienunternehmen aus einem bestimmten
Index. Du kannst ETF-Anteile während den Handelszeiten an der Börse kaufen und verkaufen.
Bekannte Indizes sind:

  • Deutscher Aktienindex (DAX). Hier sind die 40 nach Börsenwert wertvollsten
    Aktienunternehmen Deutschlands enthalten. Z. B. Infineon, Adidas
  • MSCI World: Ca. 1.600 wertvollsten Aktienunternehmen aus 23 Industrieländern enthalten,
    z. B. Microsoft, Google

Als ETF-Besitzer gehören dir viele unterschiedliche Aktien. Eine Aktie ist ein Anrecht am Eigentum
und Gewinn eines Unternehmens.


Beispiel:

Befindet sich in deinem gekauften ETF die Fa. Canadian National Railway, gehört dir ein Teil des größten Eisenbahnunternehmens der USA. Jedes Mal, wenn bei Canadian National Railway ein Bahnticket gekauft wird, fließt ein bestimmter Teil des Gewinnes in deinen ETF. Der Gewinn wird durch eine sogenannte Dividende ausgeschüttet. Zusätzlich kannst du an der Wertsteigerung der Eisenbahnfirma teilhaben. Z. B. wenn das Eisenbahnnetz ausgebaut wird.


Jeder Index hat seine eigenen Regeln. Verliert zum Beispiel ein Unternehmen im MSCI World stark an Wert, muss es den Index verlassen und wird von einem wertvolleren Unternehmen abgelöst. Dadurch wird dafür gesorgt, dass du in den wertvollsten Unternehmen investiert bleibst. Die Fa. Wirecard flog zum Beispiel aus dem MSCI World Index, nachdem sie durch einen Betrugsskandal massiv an Wert verloren hatte.

Die Grundlage von ETFs ist die Annahme, dass sich die Weltwirtschaft langfristig positiv entwickelt. Die meisten Unternehmen erwirtschafteten langfristig Gewinne und werden wertvoller. Die längste Studie hierzu gibt es zum amerikanischen Aktienmarkt. Dem größten Aktienmarkt der Welt. Seit dem Jahr 1900 erreichten amerikanische Aktien eine Rendite von 9,7 % (inflationsbereinigt 6,6 %) pro Jahr. Diese Erkenntnis löste bei mir ein Paradigmenwechsel beim Investieren in Aktien aus. Davor teilte ich die Meinung vieler Medien, dass man nur durch zeitintensives und professionelles Handeln mit Aktien Gewinne erzielen kann.

2. Wie werden  ETFs nachhaltig?


Am Beispiel des nachhaltigen „MSCI World SRI Index“ erkläre ich Dir, wie ETFS nachhaltig werden. SRI steht übrigens für socially responsible investing – sozial verantwortliches Investieren -. Die Regeln des konventionellen MSCI World Index werden mit bestimmten nachhaltigen Filterkriterien ergänzt. Anhand dieser Kriterien werden im 1. Schritt bestimmte Firmen vom Index ausgeschlossen. Worauf im 2. Schritt von den übrig gebliebenen Unternehmen die nachhaltigsten ausgewählt werden. Im MSCI SRI bleiben ca. 25 % der Firmen aus dem traditionellen Hauptindex erhalten.

2.1 Schritt: Ausschlüsse

Beim MSCI World SRI werden überwiegend Firmen aus den folgenden Bereichen ausgeschlossen:

  • Umstrittene Waffen (Biologische, chemische Waffen, Streubomben, Landminen)
  • Zivile Feuerwaffen
  • Nukleare Waffen
  • Konventionelle Waffen
  • Genetisch modifizierte Organismen
  • Tabak
  • Pornografie
  • Alkohol
  • Glücksspiel
  • Atomkraft
  • Besitz von Kohle-, Erdgas oder Ölreserven
  • Abbau fossiler Brennstoffe
  • Kohlekraft

2.2 Schritt: Die Klassenbesten im Bereich Nachhaltigkeit

Im zweiten Schritt werden aus den übrig gebliebenen Branchen die Unternehmen ausgewählt, die die sogenannten ESG-Kriterien am besten erfüllen.
ESG steht für Environmental (Umwelt), Social (Soziales) and Governance (Unternehmensführung)

  Umwelt

  • Klimawandel und CO₂-Ausstoß
  •  Luft- und Wasserverschmutzung
  • Biodiversität
  • Abfallwirtschaft
  • Abholzung
  • Energieeffizienz
  • Wasserknappheit

  Soziales

  • Datenschutz und Privatsphäre
  • Vielfalt und Chancengleichheit
  • Mitarbeiterengagement
  • Gemeinschaftsbeziehungen
  • Menschenrechte
  • Arbeitsnormen
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf

  Unternehmensführung

  • Unabhängigkeit des Aufsichtsrates
  • Keine Korruption
  • Unternehmensethik

Dieser Nachhaltigkeitsfilter ist der sogenannte „Best in Class-Ansatz“. Beim Best in Class-Ansatz wird die Bewertung deutlich subjektiver. Es gibt bestimmte Research-Agenturen, die Unternehmen nach Nachhaltigkeitskriterien wie z. B. nach deren CO 2 -Ausstoß bewerten. Z. B. wertet die ESG-Research Agentur von MSCI viele Daten aus und befragt auch die Unternehmen selbst zu ESG-Kriterien. Jedoch können die Unternehmen bestimmte Tricks anwenden, um grüner auszusehen. Andererseits können Unternehmen nicht alles verheimlichen. Werden z. B. zu einem Unternehmen immer wieder Umweltskandale bekannt, fliegt es aus dem Index. Den größten Schutz vor Greenwashing bieten die Ausschlüsse. Denn ein Kohlekraftwert lässt sich nicht grün anstreichen.

3. Fazit

Nachhaltige ETFs sind für Privatanleger eine gute Möglichkeit, langfristig ein Vermögen aufzubauen und finanziell unabhängiger zu werden. Mit nachhaltigen ETFs investierst du breit gestreut in viele unterschiedliche Branchen und Firmen. Du belohnst Firmen, die nachhaltig wirtschaften. Dagegen erteilst du umstrittenen Firmen eine klare Absage und schaffst Anreize zum nachhaltigen Wirtschaften. Ein paar Wermutstropfen gibt es aber auch. Du kannst nachhaltige Firmen nur indirekt mit deinem Geld unterstützen. Die in den ETFs enthaltenen Aktien werden überwiegend am Zweitmarkt über die Börse gehandelt. Bislang gibt es kein einheitliches Nachhaltigkeitssiegel. Deshalb musst du bei der Auswahl der nachhaltigen ETFs genau hinschauen.


Mit nachhaltigen ETFS kannst du z. B. mit einer monatlichen Sparrate von 500 Euro und einer angenommenen Rendite von 6 % pro Jahr nach 25 Jahren ca. 338.000 Euro ansparen. Davon hast du 150.000 Euro einbezahlt und erhältst zusätzlich 188.000 Euro nachhaltige Rendite.


Ob nachhaltige ETFs eine schlechtere Rendite, als traditionelle ETFs haben, verrate ich dir in meinem Beitrag:  Haben nachhaltige ETFs eine schlechtere Rendite?

Nachhaltige ETFs kannst du übrigens mit dem Broker Scalable Capital sehr einfach und kostengünstig kaufen. 




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